Installation

Experimentelles Arbeiten erweitert auf vielfältige Weise die eigene Werkzeugkiste, mit der man sich einem Thema annähern kann.
Mir macht es große Freude, interaktive Elemente in meine Kunstwerke zu integrieren und damit Erlebnis und Botschaft zu verdichten.

"Silentium?"

Leopold Kohr (1909 – 1994) war weltbekannter Philosoph, Mahner und Vorkämpfer für eine Welt, in der der Mensch das Maß der ihm zumutbaren Dinge sein darf. Nach einem Hörsturz in jungen Jahren blieb Kohr zeitlebens hörbeeinträchtigt.

Meine Installation für die Ausstellung „8 Milliarden“ (art bv Berchtoldvilla, 2025) bestand aus einer begehbaren Stoffspirale als Symbol der menschlichen Cochlea (Hörschnecke). Der Stoff der Spirale war mit einer Auswahl meiner von mir „Dichteskizzen“ genannten Schnellzeichnungen von Menschen in Innenstädten bedruckt. Auf dem engen Weg ins Innere der Spirale erlebte man so spürbar ein „Zuviel“. Im Zentrum der Spirale befand sich mein großformatiges Pastellportrait Leopold Kohrs. Diesem war bei genauem Hinhören ein Dauerton hinterlegt, der quasi von Kohrs Hörgerät ausging. Dieser Dauerton war so gewählt, dass bei einer Frequenz von 2205 Hz in 6 Wochen Ausstellungsdauer genau 8 Milliarden Schwingungen erzeugt wurden. Kohr, mit diesem „Tinnitus der Erde“ im Ohr, mahnt zum Innehalten und zur Rückkehr zum menschlichen Maß.

Tragtaschenaktion „8 Milliarden – gemeinsam tragen“

Für die große Stoffbahn der Installation bedruckte Fa. Jordis in Salzburg hochwertiges, robustes Halbleinen mit meinen Skizzen. Im Sinne der Nachhaltigkeit nähten nach Ende der Ausstellung die Geschützten Werkstätten (GWS) daraus von mir signierte Kunst-Tragtaschen. Ein Drittel des Verkaufserlöses wurde an die Clowndoctors gespendet. Die Taschen aus der ursprünglichen Aktion sind verkauft.
Aufgrund der großen Nachfrage lasse ich immer wieder Taschen nachproduzieren. Ab Juli 2026 gibt es auch eine Variante in hochwertigem Bauwollstoff.
Bitte kontaktieren Sie mich bei Interesse jederzeit.

"Recollection"

Meine Arbeit aus dem Jahr 2025 zeigt den Moment, in dem in einem Netz die Bruchstücke eines Familienportraits an Land gezogen werden (daher der doppeldeutige Titel „Recollection“, der auf Englisch sowohl wörtlich „Wiederaufsammlung“ bedeutet, aber auch „Erinnerung“). Die Teile hängen wie gefangene Fische silbrig glänzend im Netz, gehören zusammen und doch wieder nicht. Man sieht ihnen an, dass sie während der Zeit der Trennung nicht dasselbe Schicksal hatten. Manche sind von den Meereswellen rundgeschliffen, andere von winzigen Seepocken besiedelt. Einige wieder wurden nicht vollständig getrennt und hängen in wenigen Bereichen aneinander. Und auf einer Handvoll hat sich das Kunstwerk makellos erhalten, mit immer noch scharfen Kanten an den Bruchstellen.
Was geschieht mit den Bruchstücken, sobald sie an Land sind? Kann man sie, wie eine antike Amphore, wieder zusammensetzen? Was wird fehlen? Erzählen die Reste eine vollständige Geschichte oder sind einige Informationen gänzlich verlorengegangen? Welche Rolle spielt das Netz, in dem die Teile herausgefischt wurden? Wäre mehr erhalten geblieben, wäre nur das Netz dichter geknüpft gewesen?
Die menschliche Geschichte, für uns alle gemeinsam und für jede(n) einzelne(n), verläuft im Prinzip genauso. Was von uns bleibt und Geschichte schreibt, hängt in mehr als einer Weise auch davon ab, mit welchem Netz man fischt.